Schizophrenie

Schizophrenie ist eine recht häufige psychische Erkrankung, immerhin jeder Hundertste erkrankt daran. Trotzdem sind mit dieser Erkrankung viele Vorurteile verbunden. Zu Beginn muss daher erst einmal ein häufiges Missverständnis ausgeräumt werden: Schizophrenie hat nichts mit einer Persönlichkeitsspaltung à la „Dr. Jekyll und Mr. Hyde“ zu tun!

Krankheitsbild

Generell unterscheidet man zwischen so genannten positiven Symptomen, bei denen ein Übermaß oder eine Verzerrung des normalen Erlebens vorhanden ist, und den negativen Symptomen, die sich durch eine Verminderung des normalen Erlebens auszeichnen. Das Krankheitsbild ist jedoch individuell sehr unterschiedlich.

Charakteristische positive Symptome:

  • Sinnestäuschungen (Halluzinationen): Insbesondere akustische Halluzinationen, v. a. Stimmenhören
  • Wahn: Unter einem Wahn versteht man eine unrealistische Überzeugung, an der der Erkrankte unerschütterlich festhält. Besonders häufig: Verfolgungs
  • und Beziehungswahn. Beim Beziehungswahn setzt der Erkrankte Ereignisse zu sich selbst in Beziehung, meint also z. B., für eine Naturkatastrophe verantwortlich zu sein.
  • Fremdbeeinflussungserlebnisse: Z. B. der Glaube, die eigenen Gefühle, Gedanken oder Handlungen seien von außen „gemacht“.
  • Störungen des Denkablaufs: bspw. gelockerte Assoziationen, überbordender Gedankenfluss.
  • Erregbarkeit, Reizbarkeit, motorische Unruhe

Charakteristische negative Symptome:

  • Antriebsarmut, zum Teil gänzlich fehlenden Zukunftsperspektive
  • Affektive Verarmung: Die normale „Schwingungsfähigkeit“ auf bedeutsame Ereignisse (Freude, Wut…) ist nicht vorhanden, bis hin zur völligen Gefühllosigkeit.
  • Sozialer Rückzug/Interesseverlust
  • Störungen des Denkablaufs: Z. B. Konzentrationsstörungen, sprachliche Verarmung
  • Eingeschränkte Mimik und Gestik, verlangsamte Psychomotorik.

Fallbeispiel

Herr J., ein 23jähriger FH-Student, wird von seinen Eltern in die psychiatrische Klinik gebracht. Er sei seit einigen Monaten „komisch“ geworden, habe sich immer mehr zurückgezogen. Eigentlich müsse er sich für die Zwischenprüfungen vorbereiten, dazu sei er aber offensichtlich nicht in der Lage. Im Gespräch mit dem Arzt wirkt er motorisch stark angespannt, spricht sehr schnell und unzusammenhängend, ist aber bewusstseinsklar. Er ist davon überzeugt, dass seine Mitstudenten ihn gezielt mit elektrischen Strahlen schädigen und er deswegen nicht mehr in der Lage ist, sich zu konzentrieren. Einer medikamentösen Behandlung verweigert er sich erst, da er befürchtet, das Klinikpersonal wolle ihn damit vergiften. Weiterhin berichtet er von Stimmen, die im Zimmer zu ihm sprechen (er vermutet daher versteckte Lautsprecher).

Auftreten der Erkrankung

Männer und Frauen erkranken etwa gleich häufig. Der Erkrankungsbeginn liegt meist im frühen Erwachsenenalter. Interessanterweise ist die Anzahl schizophren Erkrankter in allen Kulturen ungefähr gleich hoch

Erkrankungsverlauf

Die Erkrankung kann schleichend oder auch mit akuten Symptomen beginnen. Vorausgehend sind oft über einen längeren Zeitraum unspezifische Vorläufersymptome, beispielsweise Schlafstörungen, Leistungseinbrüche, depressive Verstimmung. Ungefähr ein Viertel der Betroffenen erlebt nur eine Krankheitsphase mit einer anschließenden (fast) kompletten Heilung. In den anderen Fällen treten mehrere Schübe auf. Ein Teil der Erkrankten erlebt zwischen den Schüben Phasen relativer Stabilität; bei einem anderen Teil steigen die Beeinträchtigungen mit jedem Krankheitsschub weiter an, verbunden mit Arbeitsunfähigkeit und langen Klinikaufenthalten.

Erklärungsmodelle

Die Ursachen der Schizophrenie sind nach wie vor nicht genau geklärt. Man geht davon aus, dass ein Zusammenspiel biologischer, psychologischer und sozialer Faktoren für das Entstehen der Erkrankung verantwortlich ist. Als gesichert gilt eine gewisse genetische Veranlagung; weiterhin können Hirnschädigungen vor oder während der Geburt zu einem erhöhten Erkrankungsrisiko beitragen. Häufig gehen dem Erkrankungsbeginn belastende Lebenssituationen voraus. Dies können Stresssituationen in der Ausbildung oder im Beruf sein, aber auch beispielsweise der Auszug aus dem Elternhaus oder die Geburt eines Kindes. Die schizophrene Psychose ist mit biochemischen Veränderungen im Gehirn verbunden, die allerdings noch nicht vollständig bekannt sind. Es gibt jedoch viele Belege dafür, dass der Neurotransmitter (Botenstoff zwischen den Nervenzellen) Dopamin dabei eine große Rolle spielt. Vermutet wird, dass in einigen Hirnarealen dieser Botenstoff während der akuten Krankheitsphase überaktiv ist.

Behandlung

In den letzten Jahrzehnten haben sich die Behandlungsmöglichkeiten der Schizophrenie wesentlich verbessert. Mit Hilfe spezifischer Medikamente, der so genannten Neuroleptika, kann insbesondere die Positivsymptomatik häufig wirkungsvoll reduziert werden. Je nach Präparat können unterschiedliche Nebenwirkungen auftreten, u. a. parkinson-ähnliche motorische Störungen, Gewichtszunahme und depressive Verstimmungen. Die besten Stabilisierungschancen haben Patienten, die sowohl psychopharmakologisch als auch mit geeigneter Psychotherapie behandelt werden. Weiterhin wichtig sind Angehörigenarbeit und soziotherapeutische Maßnahmen.

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